Wir schaffen das! Oder doch nicht?

Chemische Substanzen wie Methamphetamin, Ketamin oder „Liquid Ecstasy“ steigern die Lust beim Sex. Gleichzeitig birgt der so genannte „Chemsex“ gesundheitliche Risiken. Diese Form des Konsums tritt vor allem Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) auf.

Chemsex ist ein komplexes Phänomen und es gestaltet sich schwierig, passgenaue Präventions- und Versorgungsprogramme für Männer zu entwickeln und umzusetzen, die aufgrund ihres Substanzkonsums behandlungsbedürftige Probleme entwickeln.

Für die Prävention und Gesundheitsförderung stellen sich somit große Herausforderungen. Einerseits besteht der „akzeptierende“ Ansatz, der Wissensvermittlung von Safer Use impliziert, damit ein bewusster und sorgsamer Umgang beim Konsum entsprechender Substanzen erfolgen kann. Andererseits der abstinenzorientierte Ansatz, dessen Befürworter*innen sagen, dass ein gelingender, kontrollierter Konsum in diesem Kontext auf längeren Zeitraum völlig unrealistisch ist.

Sicherlich gibt es MSM, die Substanzen konsumieren und deren Konsum gelingt, ohne das gravierende gesundheitliche Folgen, seien es physische oder psychische, eintreten. Immer mehr treten in der Arztpraxis aber Menschen mit multiplen Substanzkonsum, zahlreichen gesundheitlichen Schäden und Infektionen auf, deren Therapie nur noch teilweise und sehr temporär möglich ist. Zudem spielen in diesem Kontext auch (starke) psychische Veränderungen eine zunehmend große Rolle.

Wissenschaftliche Erhebungen und spezialisierte Projekte weisen auf einen zunehmenden Unterstützungsbedarf von Männern, die Sex mit Männern haben, die Drogen in einem sexuellen Setting konsumieren, hin. Kurzinterventionen und Therapieansätze, die Drogenkonsum und Sexualität bei MSM im Zusammenhang aufgreifen, waren bisher jedoch nicht ausreichend bekannt und noch weniger umgesetzt.

Versagen hier die Angebote von Aidshilfen, Präventionsprojekten und Medizin? Handelt es sich bei jenen, deren Konsumverhalten entgleitet aber auch bei jenen, wo dies noch nicht der Fall ist um eine „verlorene Zielgruppe von medizinischer, therapeutischer und präventiver Versorgung und Angebotsstrukturen? Lassen sich Patient*innen überhaupt ernsthaft und langfristig auf Harm-Reduction-Strategien ein oder stellen wir einfach fest, dass wir nicht jede*n retten können? Sind wir so gut aufgestellt, haben unsere Angebote gut positioniert und müssen wir diese nur ein wenig zielgruppengerechter anpassen und optimieren?

Referenten:
Martin Viehweger | Zürich
Stefan Scholten | Köln

Co-Chair:
Paul Hirning | Köln