Therapeutisch alles erreicht oder ist hier noch Luft nach oben?

Mit der Entwicklung potenter direkt antiviral wirksamer Medikamente („direct antiviral agents“, [DAA]) gegen HCV hat sich die Therapie in nur wenigen Jahren revolutioniert. Die Therapie der Hepatitis C erfolgt heute interferonfrei und meistens auch Ribavirin-frei mit exzellenten Chancen der dauerhaften Viruseradikation.
 
Die Kombination direkt antiviral wirksamer Medikamente eröffnet allen Patient*innen unabhängig vom Erkrankungsstadium die Chance einer dauerhaften HCV-Eradikation. Diese ist mit einer Verbesserung der Lebensqualität und einer Verringerung der Morbidität und Mortalität assoziiert, zudem nimmt sie den Patient*innen auch die Sorge, andere Menschen anzustecken.
 
Die akute Hepatitis C kann unbehandelt ausheilen oder in eine chronische Infektion übergehen. Gerade während der akuten Hepatitis C besteht jedoch wegen der hohen Viruslast ein hohes Ansteckungsrisiko. Fulminate Verläufe sind beschrieben. Die gemeinsame Nutzung von Injektionsutensilien bei Drogen gebrauchenden Menschen, Verzicht auf Safer Sex und bestimmte sexuelle Praktiken werden bei einigen Patient*innen trotz akuter Hepatitis C gegen ärztlichen Rat weitergeführt, was mit einem erheblichen Transmissionsrisiko einhergeht.
 
Dies könnte durch eine sofortige DAA-Therapie reduziert werden und somit Infektionsketten unterbrochen werden. Demgegenüber stehen die Kosten und die „Übertherapie“ der Patienten mit akuter Hepatitis C, die auch unbehandelt ausgeheilt wären.
 
Wenn Ärzt*innen im regionalen Vergleich auffällig hohe Kosten verursachen, werden sie von den Krankenkassen überprüft. Sie müssen dann für alle Patient*innen nachweisen, dass die Verordnungen plausibel waren. Zwar gibt es Richtlinien, wann und wie Hepatitis C zu behandeln ist. Aber es müssen immer auch individuelle Aspekte berücksichtigt werden. Interaktionen mit anderen Medikamenten und Drogen oder Unverträglichkeiten zum Beispiel. Hinzu kommen ständig neue Medikamente. Derzeit gehen Ärzte, die bei dem Thema Hepatitis C besonders aktiv sind, das Risiko ein, dass man sie für ihr Engagement noch bestraft.“
 
Das enorm geschrumpfte Sonderbudget der Gesetzlichen Krankenversicherung für die Behandlung von chronisch Hepatitis-C-Infizierten vermittelt einen falschen Eindruck. Bei Hepatitis C gibt es weiterhin viel zu tun. Man muss mehr testen. Selbst noch aktive Drogengebraucher*innen sollten nicht von der Therapie ausgeschlossen werden. Und für Ärzt*innen muss sichergestellt werden, dass sie kein finanzielles Existenzrisiko eingehen, wenn sie Patient*innen individuell behandeln.

Referenten:
Christoph Boesecke | Bonn
Dirk Nierhoff | Köln

Co-Chair:
Domenico Fiorenza | Köln