Die paar Frauen sollen sich mal nicht so aufregen!

Etwa 20 Prozent der in Nordrhein-Westfalen lebenden Menschen mit HIV sind Frauen. Die Lebenswirklichkeit und die damit einhergehenden Bedürfnisse von Frauen mit HIV unterscheiden sich in wesentlichen Aspekten von denen der Männer. Die HIV-Infektion zeigt bei Frauen ein anderes Bild; so treten bei ihnen zum Beispiel im Rahmen der antiretroviralen Therapie andere Nebenwirkungen auf. Schwangerschaft und der Wunsch zu stillen spielen eine besondere Rolle. Darüber hinaus durchleben immer mehr Frauen mit HIV um die 50 den Übergang von der Prä- zur Postmenopause.
Inwieweit die HIV-Infektion und die HIV-Therapie sich auf die hormonellen Veränderungen nicht nur in den Wechseljahren auswirken, wurde bislang nicht ausreichend untersucht. Grundsätzlich können Medikamente das beschriebene Wechselspiel zwischen den Hormonen beeinflussen.
 
Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen mit HIV früher in die Wechseljahre kommen und stärkere menopausale Symptome entwickeln als Frauen ohne HIV. Da aber vor allem Faktoren wie Rauchen, Drogenkonsum, geschwächtes Immunsystem, negative Erlebnisse und Depressionen Gründe für einen früheren Beginn der Wechseljahre sein können, sind einige Mediziner*innen der Ansicht, es reiche, auf diese Faktoren bei HIV-infizierten Frauen individuell einzugehen.
 
Da über den Zusammenhang von Hormonstörungen, Wechseljahresbeschwerden und HIV-Infektion zu wenig bekannt ist und im klinischen Alltag HIV-assoziierte Symptome, unerwünschte Wirkungen der antiretroviralen Therapie, Komorbiditäten und Beschwerden im Rahmen der menopausalen Hormonumstellung nur schwierig voneinander zu trennen sind, stellt dies alles betroffene Frauen sowie ihre Ärzt*innen vor besondere Herausforderungen. Daher fordern nicht wenige Mediziner*innen intensivere klinische Studien zu HIV in der Menopause wie zum Altern mit HIV insgesamt.

Referent*innen:
Olaf Degen | Hamburg
Annette Haberl | Frankfurt
Katja Römer | Köln