Ja ... aber die STIs: Screening bis zum Abwinken

Wird zu wenig getestet, drohen schweren Krankheiten, die man leicht hätte verhindern und gut therapieren können. Zu wenig ist schlecht. Soviel ist klar. Aber wie steht es mit einem Übermaß an STI-Tests bei Menschen, die keine Symptome haben? Durch Tests können wir bei symptomlosen Menschen Krankheiten früh erkennen und gut behandeln. Tests können jedoch auch zu unsinnigen Behandlungen und Schaden führen. Wann werden Tests eine Gefahr für die Gesundheit? Müssen wir alles testen und behandeln? Und wenn nicht alles behandelt werden muss, warum soll dann überhaupt getestet werden?

Testempfehlungen für MSM lauten seit Jahren schon, sich mindestens einmal jährlich auf HIV und andere STIs testen zu lassen. Diese Frequenz reicht ja aus, um bei einer HIV-Infektion das Stadium eines schweren Immunschadens zu verhindern. Die Einführung der PrEP hat jedoch auch die Screening-Empfehlungen verändert. PrEP-User sollen viermal jährlich zum HIV- und STI-Check. Mit der Einführung von Versorgungsverträgen wird diese Empfehlung auch auf Personen ausgedehnt, die die PrEP (zumindest zeitweise) nicht nehmen. Aus “einmal im Jahr” wird “einmal im Quartal”.

Aber heutzutage stellt sich hier vor allem die Frage, was getestet wird. Bei den „Bluttests“ auf HIV, Hepatitis C oder Syphilis ist dies zwar nicht der Fall, jedoch bei den Abstrich-Untersuchungen. Durch neue Analysegeräte wird zunehmend nicht nur auf Gonokokken und Chlamydien, sondern auch auf viele andere Erreger getestet. Zudem stellt diesbezüglich auch die Sensitivität der Geräte ein „Problem“ dar. Die Untersuchungen sind zu genau und finden nicht nur Erreger auf wirklich entzündeter Schleimhaut, sondern auch harmlose Besiedlungen oder Bakterientrümmer auf bereits ausgeheilter Schleimhautentzündung. Die Folge ist ein gesteigerter Antibiotikaeinsatz bei oft harmlosen und nichtbehandlungsbedürftigen Situationen oder bei bereits ausgeheilter Infektion.

Referenten:
Armin Schafberger | Berlin
Heinrich Rasokat | Köln

Co-Chair:
Tim Schomann | Berlin