Therapievereinfachung/Deeskalation: riskant oder schonend?
Eine HIV-Therapie muss langfristig eingenommen werden. Deshalb sind besonders schonende und nebenwirkungsarme Regime wünschenswert. Kann man heutzutage bereits die Anzahl der einzunehmenden Substanzen senken? In welchen Fällen ist es möglich, auf einzelne Medikamente (Deeskalation) zu verzichten? Wie kann dies sicher und mit möglichst geringer Gefahr für den Patienten bewerkstelligt werden?
THESE 1
Strategien zur Vereinfachung der ART sind erforderlich. Nicht nur um die jahrzehntelange Belastung der Patientinnen und Patienten mit Medikamenten zu minimieren, auch wegen gesundheitsökonomischer Aspekte: Eine vereinfachte Therapie ist preiswerter. Beispielsweise Mono-PI-Regime und bestimmte duale Regime sind gut verträglich, effektiv und in zahlreichen klinischen Studien erprobt. Deeskalationsstrategien müssen in unsere Guidelines aufgenommen werden. Die freie Therapiegestaltung bietet höhere Individualisierung und bessere Möglichkeiten, auf die Bedürfnisse der einzelnen Patientinnen und Patienten einzugehen.
Referent: Dr. Markus Bickel | Frankfurt
THESE 2
Damit HIV über Jahrzehnte erfolgreich supprimiert und damit eine normale Lebenserwartung erzielt werden kann, muss eine möglichst divergente Therapie mit mindestens drei Substanzen durchgeführt werden. Andere Strategien sind weniger erfolgreich, führen zu häufigerem virologischen Versagen und bleiben seltenen Ausnahmen vorgesehen. Standardisierte Therapien sind erforderlich, sollten in nahezu allen Fällen beachtet werden und bieten hohe Sicherheit. Unsere Patientinnen und Patienten müssen über Jahrzehnte eine stabile Therapie zur Verfügung gestellt bekommen, eine vermehrte Gefährdung für Resistenzbildung können wir uns deshalb nicht leisten.
Referent: Dr.Keikawus Arastéh | Berlin