HCV-HIV-Koinfektion: auf interferonfreie Therapien warten oder mit den verfügbaren Medikamenten starten?

Eine Vielzahl an neuen HCV-Medikamenten stehen vor der Haustüre. Insbesondere der Verzicht auf das nebenwirkungsreiche Interferon scheint in greifbare Nähe gerückt. Was sollen wir unseren Patienten empfehlen? Wer kann unter welchen Umständen auf Interferon-freie Therapien warten? Wann ist damit zu rechnen und wie steht es um die voraussichtliche Effektivität dieser Behandlung?

THESE 1

Trotz der gegenwärtig schon verbesserten Wirksamkeit der modernen HCV-Regime, ist aktuell immer noch die Zugabe von Interferon zur Behandlung erforderlich. Der überwiegende Anteil an unangenehmen, gefährlichen und häufig zum Therapieabbruch führenden Nebenwirkungen kommt durch diese Interferon-Komponente. Da die Hepatitis C häufig einen langsamen, jahrzehntelangen Verlauf nimmt und nur in seltenen Fällen eine dringende Therapieindikation besteht, ist ein Abwarten auf interferonfreie Therapiealternativen sinnvoll. Diese stehen voraussichtlich in wenigen Jahren zur Verfügung.

Referent: Dr. Christoph Boeseke | Bonn

THESE 2

Schwerwiegende Langzeitfolgen der Hepatitis C wie Leberzirrhose oder Hepatozelluläre Karzinome (HCC) sind erst nach jahrelangem Verlauf zu erwarten. Bereits in frühen Phasen der HCV-Infektion besteht allerdings eine chronische Inflammation, welche mit potentiellen Langzeitrisiken, beispielsweise einem erhöhten kardiovaskulären Risiko, einhergeht. Zudem sind unbehandelte Patientinnen und Patienten infektiös. Deshalb sollte in den meisten Fällen bereits mit den aktuellen Regimen ein Therapieversuch durchgeführt werden. Dank der Verfügbarkeit moderner direct-acting Agents (DAA) ist auch die aktuell durchführbare Therapie sehr erfolgsversprechend und die Nebenwirkungen reversibel.

Referent: Dr. Patrick Ingiliz | Berlin

Druckversion Druckversion    Seite weiterempfehlen Seite weiterempfehlen