Therapeutisches Drug Monitoring: klinisch relevant oder meist überflüssig?
In diesem Themenblock wird das Für und Wider der Medikamentenspiegelmessungen (TDM) diskutiert. Wann sind Spiegelmessungen überhaupt sinnvoll? Wie sollen wir auf auffällige Werte reagieren? Wie steht es um die klinische Relevanz der gemessenen Werte? Wird zu häufig oder zu selten gemessen?
THESE 1
Medikamentenspiegel sind eine sinnvolle Zusatzinformation für Behandlerinnen und Behandler. Sie helfen, Therapieversagen zu erklären, Compliance zu objektivieren und eine höhere Sicherheit der langjährigen HIV-Therapie zu erzielen. Durch TDM-Messungen können unter Umständen sogar Todesfälle oder ernsthafte Komplikationen verhindert werden. Nur aufgrund kontinuierlicher und häufiger Messungen von Medikamentenspiegeln können Interaktions-Datenbanken aufgebaut werden, von denen alle Ärztinnen und Ärzte profitieren.
Referent: Dr. Christoph Wyen | Köln
THESE 2
Die Messung von Medikamentenspiegeln ergibt in den wenigsten Fällen für die Behandlung relevante Informationen. Im Gegenteil verwirren sie häufig sowohl Ärztin und Arzt als auch Patientin und Patient. Es gibt zu wenige Untersuchungen, die klinische Daten mit TDM-Messungen verbinden. Zudem wird meist nur ein einzelner Spiegel gemessen, und dieser ist in der individuellen Situation von zu vielen Faktoren abhängig. Tagesprofile wären deutlich sinnvoller, sind im Praxis- oder Klinikalltag aber kaum durchführbar, zu teuer und für Patientinnen und Patienten umständlich. Die meisten bekannten Interaktionen sind klinisch kaum relevant und führen unter Umständen zu unnötigen Änderungen von Therapieregimes. Ausnahmen sind lediglich Schwangerschaften und bekannte komplizierte Ko-Medikationen.
Referent: Dr. Nils von Hentig | Frankfurt